Die Phantastika – ein Rückblick auf einen Erstling

Als Mike Hillenbrand mich das erste Mal auf seine Pläne bezüglich seines Phantastik-Festivals ansprach, sollte es noch einige Jahre dauern, bis er diese auch in die Realität würde umsetzen können. Mangelnde Beharrlichkeit kann man ihm ohne Zweifel nicht vorwerfen. Als am ersten Septemberwochenende die Luise-Albertz-Halle zu Oberhausen ihre Pforten öffnete, gab es eine interessante Mischung aus Vorschlusslorbeeren, Hoffnungen und Neiddebatte, die sich im Vorfeld der Veranstaltung die Waage gehalten hatten. Ich war insofern darin involviert, da ich zusammen mit den anderen DPP-Organisatoren die Entscheidung mitgetroffen hatte, die Preisverleihung vom BuchmesseCon zu diesem neuen Event zu verlagern, um einmal etwas anderes zu versuchen. Dies ist übrigens weder der Ort noch die Zeit, auf die in diesem Kontext wiederholt ventilierten Verschwörungstheorien einzugehen, außer mit dem kleinen Hinweis, dass sie alle nicht stimmen.

Hinten gab es auch einen Cross-Cult-Stand, bei dem der dritte Skiir-Roman Zuspruch fand

Zwei Tage im ausklingenden Sommer sollten ein von der Größe nicht unbeachtliches Kongresszentrum füllen, am besten noch mit Laufkundschaft, die eben nicht aus der üblichen Mischung besteht, eine Art LuxCon für Bücher, ein Festival, das es schaffen soll, die interessierten Massen durch seinen Erlebnischarakter gleichermaßen anzuziehen wie die Geeks, die aus eher prinzipiellen Erwägungen derlei Veranstaltungen besuchen. Dazu wurde im Vorfeld eine Menge Geld für Marketing in die Hand genommen – es wurde plakatiert, Anzeigen geschaltet, Medienarbeit betrieben, ich kann es gar nicht alles aufzählen. Hut ab. Sind aber die teilweise doch sehr hohen Erwartungen – oder vielmehr Hoffnungen – erfüllt worden? Ja und nein.

Mist!

Die Phantastika war eine sehr vielfältige und bunte Veranstaltung, und zumindest am Samstag auch sehr ordentlich besucht. Es waren Familien da, „Laufkundschaft“ sozusagen, und das geschafft zu haben, ist beachtlich. Die Programmangebote waren abwechslungsreich und interessant, wenngleich der Hauptsaal nicht notwendigerweise inmer der geeignete Ort gewesen ist (aber leer lassen kann man ihn ja auch nicht). Das Helferteam war stets interessiert, engagiert, freundlich, hilfsbereit und arbeitete ohne Fehl und Tadel. Meinen Respekt.

Es gab einige, zum Teil wirklich toll aussehende Cosplays zu bewundern. Das fand ich besonders ansprechend.

Auch an der Vielfalt und Anzahl der Aussteller war nichts zu bemäkeln. Die Räume waren voll, und die Bandbreite deutscher Phantastik-Aktivisten waren sowohl in Form von Verlagen (und anderweitigen Produzenten geeigneten Materials) und Autor/innen gut vertreten. Die Anwesenheit eines Schauspieler aus „Game of Thrones“ hat sicher auch nicht geschadet. Die Doctor-Who-Ausstellung war eine schöne Idee, die Hallen waren gut dekoriert, das Angebot des Caterings nicht nur essbar, sondern auch bezahlbar (ein Euro für einen Kaffee, das gibt es nicht oft). Wenn man durch die Gänge wanderte – und das Gelände vor dem Gebäude nutzte, wo ein Lesebus stand sowie ein Spielmobil für die Kids -, dann war eigentlich immer was los.

Tommy Krappweis und Grit Richter bei der DPP-Zeremonie

Kurzum: die Atmosphäre stimmte, und da fallen die möglicherweise etwas negativeren Aspekte weniger ins Gewicht, zumindest für mich. Ich hörte von Standbetreibern, deren ökonomische Erwartungen nicht erfüllt wurden, und zwar von einigen. Das ist zwar immer nur teilweise Verantwortung von Veranstaltern (und die Standmieten waren im Vergleich zu anderen großen Events meiner Ansicht nach noch sehr moderat), ist aber natürlich ein Aspekt, den man sich für die bereits angekündigte zweite Phantastika im Septemberf 2018 noch einmal vorlegen muss. Die DPP-Preisverleihungszeremonie war schön, vielfältig, spannend, witzig – aber sie war erstens zu lang (um mindestens eine Stunde) und zweitens keine „Gala“, wie sie im Vorfeld oft angekündigt wurde. Gala ist was anderes. Ich bin dennoch sehr zufrieden damit. Es war eine gute Entscheidung, den Verleihungsort zu wechseln, denn es ist unwahrscheinlich, dass eine solche Veranstaltung in Dreieich möglich gewesen wäre. Und es wurde gelernt, und man wird aus dieser Erfahrung für 2018 sicher Lehren ziehen.

Blick ins Publikum bei der DPP-Verleihung

Mir hat die Phantastika großen Spaß gemacht (hätte sie übrigens auch ohne VIP-Bändchen am Arm). Ich bin froh, viele nette und interessante Leute getroffen zu haben und bin sehr zufrieden. Sehr gerne werde ich auch 2018 wiederkommen, ob nun als Ehrengast oder als schnöder Besucher, das ist mir eigentlich egal. Dem Team der Organisatoren gilt für diese besondere Kraftanstrengung und organisatorische Leistung jedenfalls mein höchster Respekt.

 

Advertisements

Phantastika

Mein Höhepunkt der Veranstaltung: die Diskussion mit SF-Altmeister Andreas Brandhorst über… Naja, alles mögliche halt. Fotos von Peter Fleissner.