Kategorie: Szene & Cons

Con-Saison 2015

Wolltet Ihr nicht schon immer mal meine Hand schütteln? Persönlich Rezipient meines sympathischen und aufrichtigen Lächelns sowie meiner kundengerechten Verkaufsansprache werden? Wolltet Ihr nicht immer schon im Scheine meines außergewöhnliches Charismas baden, vom Nektar der Weisheit meiner Worte trinken, aus meiner Hand von mir persönlich mit eiliger Handschrift durch Autogramme wesentlich aufgewertete Druckwerke in Empfang nehmen?

Nein?

Dann solltet Ihr folgende Conventions des Jahres 2015 auf jeden Fall vermeiden, denn ich habe fest vor, am

21.-22.3.2015 den DortCon zu besuchen, ebenso am

28.-29.3.2015 den LuxCon und ebenso am

29.8.2015 den FARK sowie im Oktober, so die Götter mir wohlgesonnen sind, den BuchmesseCon in Dreieich.

Derzeit übe ich mich noch in tiefer Kontemplation, ob ich im September mal zum GarchingCon fahre, denn da war ich noch nie.

Blick zurück zum WorldCon

Eigentlich wollte ich keinen WorldCon-Bericht schreiben, doch die Tatsache, dass ich danach einige Tage Urlaub bei meiner Schwester verbracht habe, hat mir geholfen, ein paar Gedanken zu sammeln und ich will sie dann doch jetzt einmal aufschreiben. Kein geordneter Bericht, eher ein paar Schlaglichter.

Zuerst einmal: es war der größte WorldCon der bisherigen Geschichte dieser Veranstaltung, mit über 7000 tatsächlich anwesenden Besuchern am Samstag. Da das ExCel-Center aber gleichzeitig ein höllisch großes Bauwerk ist, gab es nur zu seltenen Gelegenheiten den Eindruck der allgemeinen Überfüllung: etwa am Freitag zur Registrierung, die höchst schlecht organisiert war und zeigte, dass die Veranstalter mit den Last-Minute-Anmeldungen hoffnungslos überfordert waren, sowie bei einigen der Panels, bei denen man nicht einmal eine halbe Stunde vor Beginn noch rechtzeitig da war (und anschließend Katz-und-Maus mit den allgegenwärtigen Sicherheitskräften spielte, um sich doch noch reinzuschmuggeln).

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Das irre große Veranstaltungszentrum. Der kleine rote Wagen bot Softeis an. Hat gute Geschäfte gemacht.

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Irre groß oder nicht, wenn ein Panel so richtig sexy war, gab es auch so richtig Andrang.

Die deutsche Fangruppe war erstaunlich groß – dem Vernehmen nach fragte auch Chris Foss verwundert, wo denn die ganzen Deutschen her kämen – und die deutschen Programmpunkte wohl auch ganz gut besucht. Die Aussteller waren in einem deutschen Pavillon im Fan Village zusammengefasst, was immerhin dazu führte, dass man einigermaßen beieinander saß und der Stand immer besetzt war. Ich legte sogar vier meiner Bücher auf den Tisch, davon habe ich eines (D9E # 1) verkauft und eines („Ein Lord zu Tulivar“) hat jemand geklaut. Möge ihm das Papier beim Umblättern tief ins verbrecherische Fleisch schneiden.

Sehr gutes Feedback bekam ich aber für die Werbeanzeige zur englischsprachigen Ausgabe der Kaiserkrieger auf der Rückseite der SFCD-Publikation, die ebenfalls reichlich an die Fans verteilt wurde. Ich gehe daher davon aus, dass ich in Kürze steinreich sein werde.

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Das „Fan Village“ von oben betrachtet. Die blaue Leuchtgirlande unten links hängt am deutschen Pavillon.

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Das Panel zur deutschen SF/F, moderiert von Martin Stricker (in Gelb, grinsend). Immerhin wurde ich am Ende zur Lektüre empfohlen, damit hat das Panel seinen Zweck bereits erfüllt.

Ich habe einige wenige Programmpunkte mitgemacht: das Panel zu Kontinuität und Wandel in der Military SF, das mich aber inhaltlich auch nicht viel weiter gebracht habe (außer, dass ich jetzt die Military Fantasy von Moderator Myke Cole lesen möchte), zwei Kaffeeklatsche (Kaffeeklatschs?) mit John Campbell aka John Hemry („Lost Fleet“) sowie Lawrence Watt-Evans, bei letzterem mit sehr interessanten Einblicken eines echten Profis zum Thema Crowdfunding. Ein Panel zu den Zahlen der SF/F in UK, also Auflagen und Business, repräsentiert von Vertreter/innen der vier großen britischen Publikumsverlage, mit einigen sehr interessanten Erkenntnissen, die ich hier wirklich einmal kurz zusammenfassen möchte:

  1. Der am besten verkaufte SF-Roman in UK im Jahre 2013 hat 51.000 Exemplare verkauft.
  2. Der am besten verkaufte Fantasy-Roman 170.000 Exemplare, trotzdem…
  3. … steigt der Anteil der SF im Vergleich zur Fantasy kontinuierlich an und…
  4. … verkaufen sich SF-Anthologien als ebook ganz hervorragend und…
  5. … macht der ebook-Markt mehr als 50 % des Gesamtumsatzes aus.
  6. Man habe von Anfang an auf Digital Publishing gesetzt, um nicht „die Fehler der Musikindustrie zu begehen“ (ich winke mal lächelnd in Richtung der Saftnasen in deutschen Großverlagen)
  7. Man habe keine Angst vor Self-Publishing, das sei doch „quite interesting“ (*maliziöses Lächeln*).
  8. Man verkaufe gut ein Drittel des Gesamtumsatzes im englischsprachigen Ausland, vor allem Mittelerde und Australien.
  9. Sogar Deutschland wurde erwähnt, als „major fantasy-market“, in den man fleißig Lizenzen verkaufe.

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Lawrence Watt-Evans erleuchtete die Zuhörer mit Erkenntnissen aus seinen Bemühungen um Crowdfunding.

Ich besuchte dann noch zwei Übersetzungspanel, an einem nahm ich sogar teil. Da gibt es nicht viel zu berichten („Es bleibt schwierig“) und ich habe amerikanische Fans zum Erröten gebracht, als ich zweimal das Wort „fucking“ benutzte. Too bad.

Ansonsten bin ich eher ziellos herumgelaufen und habe Leute getroffen, darunter meine Kollegen aus der Usenet-Gruppe rasfc und den Autor Bill Swears, den ich gedrängelt habe, endlich ein Sequel zu „Zookland“ zu schreiben. Ich habe auch ein klein wenig Geld ausgegeben, denn dafür gab es einen riesigen Dealers Room, wo kräftig gedealt wurde (und dem Vernehmen  nach zur Zufriedenheit der Verkaufenden).

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Hier wurde gedealt.

Alles in allem eine hochinteressante, aber auch kräftezehrende Veranstaltung. Ich bin Pre-Supporter für Helsinki 2017 (dem wird aber nicht allzu viel Erfolgsaussichten beigemessen) und Dublin will ja 2019. Dublin kennen sogar die Amis. Das könnte was werden. Paris hat sich übrigens für 2021 oder so beworben. Angesichts der Tatsache, dass mir zu dem französischen Fandom immer nur „Under the Dome“ einfällt, habe ich da meine Zweifel. Ach so, und ich habe direkt bei dem Godfather of LuxCon einen Stand für 2015 gemietet. Guido, bitte gleich aufschreiben.

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Dirk war am Ende doch bereit für ein Upgrade.

 

Ein paar Worte zum Thema Amazon

Die Amazone ist böse. Die Verlage sind gut. Die Autoren sind Opfer.

Wie schön, dass alles so einfach ist. Ich habe  mich nur am Rande mit der neuesten Runde Amazon-Bashing befasst, obgleich es mir das eine oder andere Mal in den Fingern gejuckt hat. Jetzt muss ich doch einmal, wenngleich nur kurz. Ich fliege bald nach London, zum WorldCon, das finde ich interessanter. Mal gucken, wie da auf Amazon rumgekloppt wird.

Als Amazon vor Jahren in Deutschland anfing, haben die Verlage und Vertriebe gepennt. Als Amazon größer wurde, haben die Verlage und Vertriebe gepennt. Als Amazon so einen richtig fetten Marktanteil hatte, haben Verlage und Vertriebe gepennt. Als Amazon den ebook-Markt zu dominieren begann, haben die Verlage und Vertriebe gepennt. Als die großen Verlage plötzlich erkennen mussten, dass sie mit den kleinen Verlagen und den Self-Publishern auf einmal auf Augenhöhe im Wettbewerb standen, haben sie gepennt.

Dann rannten sie zum Staat und weinten bitterlich.

Ich weine auch, weil so viel Dummheit einfach weh tut. Anstatt die Ärmel hochzukrempeln und eine veritable Amazon-Alternative zu etablieren, wird nur gejammert. Denn bei einer solchen müsste man ja auch den Kleinverlagen und Self-Publishern ein faires Angebot machen (was die etablierten Buchketten früher nie für nötig hielten). Man müsste die amerikanischen, französischen, britischen etc. Neuerscheinungen in Deutschland vorrätig halten, denn wir wollen nicht mehr nur das lesen, was einer Übersetzung für würdig erachtet wird. Und ja, wir sind der Ansicht, dass ein ebook erkennbar preiswerter als eine Printausgabe angeboten werden sollte. Das sage ich als Autor, und zwar laut und deutlich.

Ich äußere mich nur kurz zu den furchtbaren Arbeitsbedingungen bei Amazon, einer Firma, die Logistikzentren in ländlichen Gebieten gebaut und einem Haufen Arbeitsloser in sehr strukturschwachen Regionen eine ökonomische Perspektive gegeben hat. Über dem Mindestlohn übrigens. Dafür wird erwartet, dass man sich Abläufen unterwirft. Sonst macht das Geschäftsmodell keinen Sinn. Aber verdi hat es ja geschafft: wir bekommen unsere Bücher künftig aus Tschechien und Polen. Gut gemacht.

Ich beteilige mich nicht am Amazon-bashing. Ich verdiene über Amazon gutes Geld. Nicht als Self-Publisher, sondern als ganz normaler Verlagsautor. Das wäre ohne Amazon in dieser Form nie, nie, nie möglich gewesen. Andere mögen das schon vergessen haben, die jetzt Moralin in heftigen Dosen einnehmen.

Ich habe es nicht.

Dies und das

Boah.

Ich weiß. Aber ich bin wirklich beschäftigt – oder ersatzweise krank, wie seit dem letzten Wochenende – und irgendwie reicht es dann bei diesem Blog immer nur für Kürzesteinträge. Ich gelobe ständig Besserung und dann wird da nichts draus. Aber jetzt mal. Ein bissel.

Was ist der Stand der Dinge?

1. Schreiben

„Tentakelreich“ sollte dieses Wochenende als ebook erscheinen, wenn nichts dazwischen kommt. Die Printausgabe dann Anfang Juli. Im Juli sollte wohl auch Kaiserkrieger # 7 endlich als ebook kommen, wenn nichts dazwischen kommt. Und Ikarus 56. Ich hoffe jedenfalls darauf. Fast fertig bin ich mit dem Manuskript von „Ein Prinz zu Tulivar“, es fehlen vielleicht noch 15.000 Anschläge. Trotz meiner Erkältungspause komme ich also voran, schrittweise, aber immerhin. Ich werde mich dann sogleich an den ersten Roman von „Kaiserkrieger – Vigiles“ machen, und parallel dazu schreibe ich noch an Die neunte Expansion # 9 sowie an „Tentakelfürst“, den ersten Band der letzten Tentakel-Trilogie, der wird wohl irgendwann 2015 erscheinen. Wenn Guido, der Unergründliche, es will.

2. Gucken

Ins Kino komme ich nicht so, wie ich das plane – „Edge of Tomorrow“ muss ich mir wohl auf Blueray geben -, aber ich gucke seit kurzem „Fringe“. Ich bin immer kurz davor, es wieder sein zu lassen, weil es mir stellenweise etwas zu betont blutig ist (manchmal erkennbar nur auf Effekt gespielt, sowas mag ich nicht so gerne). Mit weniger Blut hätte ich wohl größere Freude daran, aber bis auf weiteres bleibe ich mal dabei. „Wissenschaft Prison“. Tzes. Amis.

3. Übersetzen

Ich habe eine Story von Alastair Reynolds so gut wie fertig übersetzt und fast die Hälfte von Dumarest # 25. Ich denke mal, dass ich danach gleich mit Dumarest # 26 weitermachen werde, wenn Guido, der Unergründliche, es so befiehlt.

4. Sonstiges

Ich bereite mich seelisch auf den WeltCon im August vor. Eine große Veranstaltung, wie es aussieht, und mit so viel Programm, dass einem dabei schwindelig werden dürfte. Wie ich mich kenne, werde ich wenig Programm machen, mir die scharfen Cosplayerinnen anschauen und ein paar Leute treffen, die ich schon immer mal treffen wollte. Ich bin fest entschlossen, den Con so entspannt wie möglich anzugehen und mich höchstens bei der Jagd auf einige antiquarische Schmuckstücke im Dealer’s Room unter Druck zu setzen. Auf dem ganzen Congelände gibt es WiFi umsonst, daher werde ich sowohl Euch wie auch den britischen Geheimdienst hautnah mit Fotos und Anekdoten versorgen (über Facebook, das geht am einfachsten).

 

Programmpunkt auf dem SF-WeltCon in London

Ich habe ja schon mehrmals darauf hingewiesen, dass im August der WeltCon in London stattfindet und ich dortselbst zugegen sein werde. Ich habe jetzt auch einen kleinen Programmpunkt, an dem ich mitwirken darf:

Understanding Translation

Saturday 19:00 – 20:00

The profile of non-Anglophone science fiction and fantasy seems to be on the rise in the Anglophone world. As a result, there’s also increasing interest in translation: the mechanics of the process, the editorial role of the translator, and so on. In this panel, translators will discuss how they would approach translating some short passages from the work of the convention’s Guests of Honour into another language, and the considerations that apply when going the other way.

Wer von Euch nach London kommt, ist herzlich zu diesem kleinen Panel eingeladen, an dem insgesamt vier Übersetzer aus unterschiedlichen Sprachen teilnehmen werden.