Work in progress

Hier hatte jemand viel Geld und Sachverstand investiert, um eine Umgebung zu schaffen, die, dessen war sich Daxxel sicher, auf die Sinne möglichst vieler Intelligenzen gleichermaßen angenehm wirkte. Das war eine ordentliche Leistung, und sie hatte ihren Effekt: Daxxel fühlte sich hier unvermittelt sehr wohl.

Der Leibwächter lieferte ihn bei einer Vorzimmerdame ab, die genauso Mensch war wie Daxxel und dem angenehmen Ambiente noch eine zusätzliche attraktive Note verlieh.

Zumindest war das die Ansicht des jungen Diplomaten, der das freundliche, wenngleich einstudierte Lächeln der Frau gerne erwiderte.

„Grant erwartet Sie, Botschafter Daxxel“, erklärte sie einer samtweichen Stimme, in der man baden wollte.

Sie führte ihn durch eine zweiflüglige Tür in ein fußballfeldgroßes Büro. Hinter einem Schreibtisch von ebenfalls erheblichen Ausmaßen saß ein gut gekleideter Herr in den frühen Sechzigern mit makellos gescheiteltem Haar und aparten Falten im Gesicht, das Sinnbild von Würde, Seriösität, Intelligenz und Vertrauenswürdigkeit.

Und alles völlig fabriziert, denn der wahre Grant war ein schwarzblauer Gelklumpen im Gehirn der Präsidentin. Was sich da erhob und mit einem immens sympathischen Lächeln auf Daxxel zukam, war der angekündigte Avatar, ein ferngesteuerter Androide, gelenkt durch eine überlichtschnelle Direktverbindung von Carol Myas’ Gehirn aus, oder vielmehr dem Teil, der Grant war. Kaum bemerkbar außer für ein geschultes Auge waren die winzigen Aussetzer, die der Avatar hatte, weniger in seinen grobmotorischen Bewegungen, sondern eher in der Art und Weise, wie er Mimik einsetzte. Das hing wiederum mit Bruchteilen von Aussetzern zusammen, die Hyperlinkverbindungen über sehr weite Entfernungen charakterisierten. Viele solcher Kontaktverluste konnten durch die Automatik des Androiden kompensiert werden, aber da diese Maschinen darauf ausgerichtet waren, ihre Herren möglichst genau abzubilden, waren sie kaum vermeidbar. Grant konnte irgendwo in der Galaxis sein, so lange er sich nur in der Nähe eines akteninternen Hyperfunknodus befand, eines sündhaft teuren, energieverschlindenden Monsters, das nur den höchsten Kreisen der Akte Zugang gewährte, um ausreichend Bandbreite zu ermöglichen.

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6 Kommentare

      • Ralf

        „Daxxel“ ist ein Wort, das große (bildliche) Ähnlichkeit mit „Dackel“ hat. Dadurch entsteht für mich beim Lesen ständig die Assoziation mit dieser Hunderasse (natürlich mit allen daraus entstehenden Implikationen was Aussehen und Verhalten des Charakters angeht).

    • cursory

      Nein, noch nicht ganz. Aber ich vermute mal, dass es irgendwann 2012 so sein wird, und dafür kann man ja schon mal etwas Vorsorge treffen, wenn Zeit ist.

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