Work in progress

Wir folgten ihm ins Haus. Innen war die Villa so, wie wir es erwartet hatten: voller Pomp und Luxus, aber ohne jeden Stil. Kostbarkeiten aus allen Ecken des Reiches waren wahllos zusammengerafft und präsentiert worden, aber es wirkte alles unfertig, ja chaotisch. Goran wusste, was wertvoll war, aber es fehlte ihm jeder Sinn für Ästhetik. Allein die Farbkompositionen verursachten beim bloßen Anblick Augenschmerzen. Wir endeten in einer Art Arbeitszimmer, dominiert von einem mit Goldlack verzierten Eichenholztisch und einem gigantischen Selbstporträt des Hausherren, das von einem begabten Künstler erstellt worden war. Die Begabung war allein schon dadurch ersichtlich, dass das Bild sowohl die Verschlagenheit wie auch die Dummheit des Porträtierten gleichzeitig wiedergab. Die Tatsache, dass Goran es trotzdem aufgehängt hatte, illustrierte sowohl seinen überbordenden Narzissmus wie auch seine eklatanten intellektuellen Defizite.

Er war dick geworden, Woldans Bruder. Umgeben von Luxus und allem Überfluss, war seine Haut weißlich und weich, seine Finger dicklich und wirkte der sorgsam gepflegte Backenbart auf dem Doppelkinn fahl und wie aufgemalt. Nur sein Blick war klar, konzentriert, fokussiert und misstrauisch. Ich durfte ihn nicht unterschätzen, diesen Mann. Er war, tief in seinem Innersten, immer noch das gleiche Arschloch, als das ich ihn kennen gelernt hatte.

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