Der Weg zum Aufenthaltsort seiner Gastgeberin war nicht weit. Talithi schienen keine Büros im klassischen Sinne zu schätzen, denn die Administratorin empfing ihn in einer Art Atrium, umgeben von bunten und wohlriechenden Gewächsen, mitten in einem kunstvoll angelegten Garten. Sie saß auf einer steinernen Bank und hielt ein Datenpad in der Hand, das sie konzentriert konsultierte. Gegenüber stand eine weitere Bank, unbesetzt, und zwischen ihnen ein Tisch, auf dem eine Kanne und zwei Tassen das Ensemble vervollständigten. Ehe sich Sentenza bedanken konnte war das A’Talithi bereits wieder verschwunden. Sentenza machte einen Schritt nach vorne und wollte sich bereits räuspern, als Ghio’o’thet aufblickte und mit einer eleganten Handbewegung in Richtung Steinbank zum Sitzen aufforderte.
„Ich freue mich, Ihre Bekanntschaft zu machen, Captain“, erklärte sie mit einer angenehm melodischen Stimme. „Darf ich Sie mit dem Nationalgetränk der Talithi vertraut machen? Wir nennen es Chol. Es ist dem Kaffee, dem Ihre Spezies so zugetan ist, nicht unähnlich. Wir haben uns vergewissert, dass der Trunk für Sie ungefährlich ist. Viele Besucher menschlicher Abstammung haben ihn bereits genossen. Darf ich?“
Sentenza nickte. Er war aus beruflichen Gründen dermaßen mit Impfstoffen vollgepumpt, dass ihn fast gar nichts umbringen konnte. Die Flüssigkeit, die die Administratorin eingoss, dampfte angenehm und verbreitete einen süßlich-scharfen Geruch, der auf interessante Weise mit den Düften der Pflanzen harmonierte. Sentenza war sich ziemlich sicher, dass das keinesfalls ein Zufall war.
„Ich habe gehört, Sie sind meiner Vorgesetzten bereits begegnet“, begann Sentenza, nahm einen Schluck, versuchte den Geschmack einzuordnen, gab es aber auf und genoss einfach nur.
„Direktorin McLennane ist mir bekannt. Eine faszinierende Persönlichkeit.“
„Das ist korrekt“, gab Sentenza zu und bemühte sich, jede Nuance von Zweideutigkeit aus seinen Worten fernzuhalten.
„Ich habe angedenk unseres Treffens um die Entsendung Ihres Schiffes gebeten“, erklärte die Administratorin. „Ich hatte das Gefühl, das mein Anliegen in den Händen des Raumcorps besser aufgehoben ist als bei unseren… Freunden vom Multimperium oder der Föderation.“
Sentenza runzelte die Stirn. „Über welches Anliegen genau reden wir gerade? Sie meinen sicher die medizinische Mission!“
„Diese ist mit dem, worum es mir geht, inhaltlich verbunden, ja. Letztlich aber ist es eine etwas… delikate Angelegenheit, vor allem für uns. Ich würde Sie nicht damit belästigen, wenn es nicht so wichtig wäre.“
„Direktorin McLennane hat mir davon nichts gesagt.“
„Sie weiß auch nichts davon.“